Die Oppositionsparteien in der Tschechischen Republik haben es nicht geschafft, die Erweiterung der Tagesordnung im Abgeordnetenhaus um zwei Punkte durchzusetzen, die den Sprecher des Unterhauses, Tomio Okamura, betreffen. Dabei handelte es sich sowohl um einen Antrag, ihn von der Leitung der Abgeordnetenkammer abzusetzen, als auch um eine Entschließung, in der sich die Abgeordneten von seinen Äußerungen zur Ukraine in seiner Neujahrsansprache distanziert hätten.
Die Vorschläge wurden von Olga Richterová für die Piraten und Vít Rakušan für die STAN eingereicht. Sie wurden von den 90 anwesenden Oppositionsabgeordneten unterstützt, aber alle 108 Abgeordneten der Regierungskoalition aus ANO, SPD und Autofahrern stimmten dagegen.
Die Opposition wollte, dass sich die Kammer mit diesen Punkten befasst, bevor sie den Antrag auf ein Vertrauensvotum für die neue Regierung von Andrej Babiš diskutiert, oder unmittelbar danach. Nach Ansicht der Oppositionsvertreter ist der Verbleib von Tomio Okamura an der Spitze des Unterhauses nicht nur wegen seiner langjährigen politischen Positionen, sondern vor allem wegen seiner Äußerungen zum Krieg in der Ukraine und zur Rolle der Tschechischen Republik in internationalen Strukturen unhaltbar. Ihrer Meinung nach schaden die kritisierten Äußerungen der außenpolitischen Position des Landes und entsprechen nicht der Würde eines der höchsten Verfassungsämter.
Tomio Okamura hat sich wiederholt gegen die Kritik gewehrt und die Bemühungen der Opposition als politisches Theater bezeichnet. Seiner Ansicht nach ist dies ein Versuch, von den wirklichen Problemen des Landes abzulenken und ein Beweis dafür, dass die Opposition keine eigene Agenda hat. Die regierenden Abgeordneten verteidigten sein Verbleiben im Amt mit dem Hinweis, dass er von einer Mehrheit des Parlaments gewählt worden sei und seine Reden im Rahmen der politischen Meinungsfreiheit gehalten würden.
Die Abstimmung fand vor dem Hintergrund eines wichtigen Vertrauensvotums für die neue Regierung statt. Premierminister Andrej Babiš betonte zu Beginn der Sitzung, dass die Tschechische Republik und ihre Bürger für sein Kabinett immer an erster Stelle stehen würden. In seiner Rede übte er scharfe Kritik an der Vorgängerregierung von Petro Fiala, die er für wirtschaftliche Probleme, Schulden und die Verschlechterung des Lebensstandards verantwortlich machte. Anschließend stellte er das Programm seines Kabinetts Kapitel für Kapitel vor und versprach, dass die Minister dessen Umsetzung regelmäßig alle sechs Monate bewerten würden.
Die Sitzung bestätigte somit die solide Mehrheit der Regierungskoalition in der Abgeordnetenkammer und zeigte gleichzeitig, dass Streitigkeiten über die Außenpolitik und die Rolle des Präsidenten des Unterhauses zu den Hauptkonflikten zwischen der Regierung und der Opposition in den kommenden Monaten gehören werden.
gnews.cz - GH
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